Wenn Guyer-Zeller auch meist in Zürich wohnte, so verbrachte er doch die Sommermonate häufig im Zürcher Oberland. In seiner Freizeit konnte man ihm im Tössbergland begegnen, in dessen Wäldern er stundenlang wanderte.

Spazierwege rund ums Neuthal
Adolf Guyer-Zeller war ein grosser Naturfreund, Wanderer und Bergsteiger. Ab 1889 liess er während einigen Jahren durch eine von ihm beschäftigte italienische Erdarbeitergruppe rund um Neuthal und Bauma durch schattige Tobel, vorbei an rauschenden Giessen, ein Netz von 25 km öffentlichen Spazierwegen auf die benachbarten Gipfel wie Gryffenberg, Hohenegg und Stoffel bauen. Dabei scheute er auch nicht davor zurück, grosse Gelände­schwierigkeiten zu überwinden. Die dafür erforderlichen Dutzende von Treppen und Brücken wurden in der betriebseigenen Schlosserei im Neuthal erstellt.
Er tat dies nicht nur, um seinen Fabrikarbeitern bessere Möglichkeiten für die sicher spärliche Freizeitgestaltung zu bieten, sondern auch, um die Arbeiter in flauen Zeiten beschäftigen zu können.

Wegebau ohne Hindernisse
Wie in seinem wirtschaftlichen Streben, so kannte er auch beim Wanderwegbau keine Hindernisse. So ging er bei der Landnahme für die Wanderrouten recht eigensinnig vor. Er verhandelte nicht lange mit den Bauern, sondern drückte ihnen einfach eine kleine Abfindung in die Hand und legte die Wege genau dort an, wo er es sich vorgestellt hatte, ohne Rücksicht auf die Geländebeschaffenheiten.

einige Zahlen
1889
Projekt und Baubeginn

1892
31. Juli; Volksfest mit 1500 Leuten für die Einweihung des Hoheneggweges

1899
Vollendeung der 7 Wanderwege

1948
Ein Teil der zerfallenen Wege wird saniert

1977
Vollständige Sanierung des Wegnetzes unter anderem mit Arbeitslosen

1992
2. August; Feierlichkeiten «100 Jahre Guyer-Zeller Wanderwege»

Einweihung des Hohenweggweges
Am 31. Juli 1892 fand die feierliche Einweihung des schönsten Guyer-Zeller Wanderwe­ges auf der Hohenegg als grosses Volksfest statt. 1500 Wanderer, Naturfreunde und Gäste begaben sich auf diese Höhe. Der Musikverein Harmonie und der Turnverein aus Bauma boten Darbietungen. Nach Reden und Gesängen offerierte Adolf Guyer-Zeller al­len Speis und Trank. Das Fest vereinigte die ganze Bevölkerung.
Das Inserat im «Freisinnigen» lud «die Herren Waldbesitzer, durch deren Gebiet das neue Verkehrsmittel führt, sowie alle Freunde und Freundinnen von Naturschönheiten und körperlicher Bewegung» freundlich zur Einweihung ein. Dem gemeinsamen, jedoch steilen Aufstieg auf die Hohenegg folgte ein Waldfest. Der fröhliche Anlass wurde mit Feuerwerk und Tanz abgeschlossen.

Zerfall und Wiederinstandstellung
Leider kümmerte sich nach dem Tod von Adolf Guyer-Zeller niemand mehr um die Wan­derwege. Dem Verschönerungs- und Verkehrsverein Bauma fehlte das Geld für die kost­spieligen Unterhaltsarbeiten. Für den Unterhalt der Wege bestand kein Fond. Die Natur eroberte das Menschenwerk zurück. Mitte der Zwanzigerjahre erreichte der Zerfall des Wanderwegnetzes den Höhepunkt, die Begehung war lebensgefährlich geworden. In den Krisenzeiten der Dreissigerjahre wurden zeitweise Stellenlose zur Ausbesserung eingesetzt.
Eine Sanierung erfolgte erst in den Vierzigerjah­ren auf Initiative des Gründers der Zürcher Arbeitsgemeinschaft für Wanderwege, Ja­kob Ess, Sekundarlehrer in Meilen. Mit Beiträgen aus der liquidierten UeBB, einer Schog­gitaleraktion und vielen Spenden von Kanton, Gemeinden und den Verkehrsverei­nen Bauma und Bäretswil. In der Folge konnten die örtlichen Verkehrsvereine mit der Hilfe vieler Freiwilliger die Wege instand halten und erfreuen sich Jahr für Jahr einer grossen Zahl von Wanderern und Naturfreunden.

100 Jahre Guyer-Zeller Wanderwege
Am 2. August 1992 war eine Feier zum Hundertjährigen angesagt. Auf der Hohenegg fand sie mit Ansprachen, Musikdarbietungen und einem von den Verkehrsvereinen Bauma und Bäretswil gestifteten Apéro statt. Diese Erinnerungsfeier bleibt bestimmt allen Teilnehmern noch lange in Erinnerung.

Einige Fragen bleiben offen
Wozu dienten diese Wege, die wir heute Wanderwege nennen?
Alle diese sieben Wege führen zur Fabrik im Neuthal hin.
Waren es Wanderwege oder einfach Wege, damit die Fabrikarbeiter auch im Winter einfacher, schneller und besser in die Fabrik gelangten?
Suchten die Fabrikangestellten nach den langen Wochen-Arbeitszeiten, damals noch mit Samstagarbeit, ihre Erholung beim Wandern?

Wanderkarte Fr. 12.-

Karte mit Wandervorschlägen und Informationen
zu Adolf Guyer-Zeller

erhältlich bei:

Gemeinderatskanzlei
Bauma

Dorfstrasse 41
8494 Bauma ZH

052 397 70 20

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